Amtssprache:

Portugiesisch

Hauptstadt:

Brasília

Staatsform:

Föderale Republik (26 Bundesstaaten + DF)

Einwohnerzahl:

200 Mio.

Fläche:

8,5 Mio qkm

Währung:

Real (BRL)

Gründung:

1822 (Unabhängigkeit von Portugal); 1889 (Ausrufung Republik)

Zeitzone:

UTC-2 bis UTC-5

Telefonvorwahl:

+55

Brasilien ist das bevölkerungs- und flächenmäßig größte Land Südamerikas und der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands in der Region. Durch seine Größe finden sich auf seinem Staatsgebiet eine Vielzahl verschiedener Landschafts-, Wirtschafts- und Lebensformen und (vor allem im Amazonasgebiet) einer der artenreichsten Naturräume der Erde. Das Land exportiert vor allem Rohstoffe, Agrarprodukte und teilverarbeitete Güter, verfügt aber insgesamt über eine recht stark diversifizierte Wirtschaft, einige der besten Forschungs- und Bildungseinrichtungen Lateinamerikas und eine ausgesprochen abwechslungs- und facettenreiche Kultur.

Mit weit über 1000 Niederlassungen deutscher Firmen befindet sich im Großraum São Paulo die weltweit größte Konzentration deutscher Industrie. Diese stützt sich vor allem auf die Automobil- und Maschinenbauindustrie und deren Zulieferer, doch auch in den Bereichen IT, Medien/Kommunikation, Architektur, Design, Logistik, Bauwesen und im Bankensektor ist Brasilien für deutsche Firmen ein wichtiger Markt.

Brasilien bringt nicht nur hervorragende Ingenieure, Mediziner, Architekten, Werbefachleute und Musiker hervor, sondern hat auch landschaftlich und kulturell sehr viel zu bieten: endlose Strände, Regenwald, Steppen, artenreiche Sumpflandschaften, Gebirge, riesige Wasserfälle, bunte Dörfer, vielseitige Städte, und nicht zuletzt die Lebenslust seiner Bevölkerung, die vor allem in Musik und Tanz in allen vorstellbaren Formen Ausdruck findet, aber auch beim Fußball, bei den sonntäglichen Grillfesten („churrascos“), am Strand und in den zahllosen Bars und Restaurants.

Detaillierte Informationen zu Brasilien findet Ihr auch auf der Website des Bayerischen Hochschulzentrums für Lateinamerika BAYLAT.

Auch wenn einige brasilianische Unternehmen deutsche Praktikanten mit offenen Armen empfangen, ist der brasilianische Arbeitsmarkt ausländischen Bewerbern gegenüber insgesamt noch nicht sehr aufgeschlossen. Deshalb ist die Bewerbung bei Niederlassungen deutscher oder anderer europäischer Firmen meist leichter und oft auch sinnvoller, weil sich die dort gesammelten Erfahrungen nach der Rückkehr direkter umsetzen lassen.

Eine Ausnahme bildet die Vielzahl an Praktikumsmöglichkeiten in sozialen Einrichtungen oder in Umweltschutzprojekten, die meist sehr gerne Praktikanten aus dem Ausland aufnehmen und oft auch Unterkunft und gute persönliche Betreuung anbieten.

Zahlreiche Webseiten, Stellenbörsen und andere Institutionen bieten Unterstützung bei der Recherche nach einem geeigneten Praktikum. Unter anderem informiert die Seite des Bayerischen Hochschulzentrums für Lateinamerika über Praktikumsmöglichkeiten. Du solltest unbedingt frühzeitig mit der Suche beginnen (mindestens 3-6 Monate vor Reiseantritt), damit Dir genug Zeit für die Planung des Aufenthalts (inkl. Unterkunft, Impfungen, usw.) und die Beantragung eventuell notwendiger Reisepapiere bleibt.

Es gibt eine nahezu unüberschaubare Vielzahl an Praktikumsmöglichkeiten bei sozialen Projekten oder im Umweltschutz, aber auch als freiwillige Sprachlehrkraft. Besonders in den Großstädten Rio de Janeiro, São Paulo, Belo Horizonte und Salvador finden sich viele spannende und meist gut organisierte gemeinnützige Projekte, die immer auf der Suche nach motivierten HelferInnen sind. Diese Praktika sind in der Regel unbezahlt, häufig gibt es aber kostenlose oder vergünstigte Unterkunft und Verpflegung sowie Gutscheine für den öffentlichen Nahverkehr (diese gelten nicht als Vergütung).

Eine interessante Möglichkeit, in Brasilien wertvolle Erfahrungen zu sammeln, sind auch Aufenthalte als Sprach- bzw. LehrassistentIn, z.B. durch das Programm des DAAD.

Praktika in Brasilien sind meist unbezahlt oder werden so geringfügig entlohnt, dass der Lohn bei weitem nicht die Reise- und Lebenshaltungskosten deckt. Häufig sind Essens- und Transportgutscheine Bestandteil der Vergütung oder lassen sich zumindest verhandeln, wodurch sich Geld einsparen lässt. Studentische Nebenjobs sind in Brasilien rar und neben dem Praktikum auch meist nicht zu stemmen. Ein Stipendium kann da weiterhelfen.

Der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD) stellt eine Reihe von Stipendien für deutsche Studierende bereit, die einen Aufenthalt in Brasilien planen.

Ein sinnvoller Ansprechpartner ist auch das Bayerische Hochschulzentrum für Lateinamerika (BAYLAT), das selbst eine Mobilitätsbeihilfe anbietet und Informationen zu anderweitigen Finanzierungsmöglichkeiten bereithält. Oft gibt es Finanzierungsmöglichkeiten, an die man nicht gleich denkt – sprich mit erfahrenen KommilitonInnen, ehemaligen Praktikanten der Institution, die dich interessiert und mit dem akademischen Auslandsamt / International Office deiner Hochschule. In den FAQ dieser Website findest Du außerdem eine lange Liste an Organisationen, die ebenfalls Stipendien oder zumindest Mobilitätsbeihilfen gewähren.

Für einen Aufenthalt in Brasilien sind zumindest Grundkenntnisse der portugiesischen Sprache sehr wichtig. Auch wenn im Arbeitsalltag mancher Firmen Englisch oder Deutsch gesprochen wird, sind Fremdsprachen in Brasilien allgemein wenig verbreitet – das gilt selbst für touristische Hotspots. Das brasilianische Portugiesisch ist allerdings wesentlich leichter zu erlernen als viele andere Sprachen; meist genügen wenige Wochen intensiver Beschäftigung mit der Sprache, um einen Großteil des Alltagsvokabulars zu beherrschen. Das wird auch dadurch enorm erleichtert, dass Brasilianer ausgesprochen positiv auf jede noch so holprige Bemühung reagieren, ihre Sprache zu sprechen, und Ausländern grundsätzlich zugewandt und freundlich gegenübertreten.

Alle staatlichen Universitäten bieten kostengünstige Sprachkurse für Ausländer an, deren Niveau meist deutlich höher ist als das der zahlreichen privaten Sprachschulen. Allerdings gibt es auch unter diesen hervorragende Ausnahmen, deren Angebot oft auch landeskundliche Inhalte und ein reichhaltiges Kulturprogramm umfasst.

Die Bewerbung bei einer brasilianischen Firma oder Einrichtung sollte vorzugsweise auf Portugiesisch erfolgen; nur bei multinationalen Unternehmen ist eine Bewerbung auf Englisch (oder fallweise auch Deutsch) zielführend. Die Bewerbungsunterlagen richten sich weitgehend nach internationalem Standard; es gibt allerdings recht viel Spielraum bei der Gestaltung von Lebenslauf, Bewerbungsschreiben usw. – empfehlenswert ist es immer, den Umfang der Bewerbungsunterlagen einigermaßen überschaubar zu halten. Nachfragen und Einstellungsgespräche per Bildtelefonie/Skype sind üblich.

Für unbezahlte Tätigkeiten bis zu 90 Tagen in Brasilien benötigen deutsche StaatsbürgerInnen kein Visum. Für Aufenthalte über 90 Tage ist grundsätzlich ein Visum nötig. Bezahlte Praktika – egal welcher Dauer – erfordern ein Arbeitsvisum, dessen Bearbeitung einige Zeit in Anspruch nehmen kann, da es von der Bewilligung durch das Brasilianische Arbeitsministerium abhängt. Jedes Visum muss nach der Ankunft in Brasilien bei der Bundespolizei (Polícia Federal) in einen Aufenthaltstitel umgewandelt werden. Genauere Informationen zu Einreisepapieren und Antragstellung findest Du auf der Homepage des brasilianischen Generalkonsulats in München.

Die Umgangsformen an brasilianischen Arbeitsplätzen sind meist wenig formell: außer im Bankenwesen ist der Dresscode sehr leger und man duzt sich im allgemeinen – was aber nicht notwendigerweise bedeutet, dass die Hierarchien flach sind. Kritik wird, wenn überhaupt, in zwei Schichten Lob verpackt (Kritik an Vorgesetzten ist so gut wie ausgeschlossen). Das direkte Nein wird vermieden. Vorschläge kommen fast immer top-down, der umgekehrte Weg ist in größeren Unternehmen die seltene Ausnahme. Pünktlichkeit spielt in Brasilien – schon aufgrund schwieriger Planbarkeit – eine weniger zentrale Rolle als in Deutschland, was aber nicht bedeutet, dass du als Praktikant zur Arbeit kommen darfst, wann dir danach ist (das darf höchstens dein/e Chef/in).

Auch im Ausland bekannt ist die teilweise bedenkliche Sicherheitslage in den brasilianischen Großstädten. Im allgemeinen ist das Sicherheitsrisiko für Ausländer jedoch nicht so hoch, wie es oft in den Medien dargestellt wird – es ist meist völlig ausreichend, sein Verhalten dem der brasilianischen Bevölkerung anzupassen, um Risiken zu vermeiden.

Die Lebenshaltungskosten sind durchschnittlich etwas niedriger als in Deutschland, variieren aber (v.a. aufgrund der Mieten) regional/lokal sehr stark. Wer schnell Sprache und lokale Gepflogenheiten kennenlernen will, sucht sich am besten eine Unterkunft in einer WG oder bei einer brasilianischen Familie, was oft auch die preisgünstigsten Quartiere sind.

Günstige Optionen – zumindest zum Mittagessen – sind die zahlreichen „lanchonetes“ (kleine Restaurants, die meist nur zur Mittagszeit geöffnet haben und einfache Gerichte und Snacks anbieten) und „restaurantes por quilo“, in denen der Kunde sich seine Mahlzeit aus einer Vielzahl verschiedener Komponenten selbst zusammenstellt und die für Vegetarier häufig die einzig sinnvolle Option darstellen. Für einen europäischen Gaumen ist die brasilianische Küche keine große Herausforderung: gegrilltes Fleisch, Reis, Bohnen, frisches Gemüse und Salat gibt es in praktisch jedem Lokal.

Öffentliche Transportmittel funktionieren in Brasilien nicht auf europäischem Niveau, sind aber für den Weg zur Arbeit und zurück meist ausreichend und nicht teuer. Durch hohes Verkehrsaufkommen besonders zu den Stoßzeiten muss man allerdings mit langen Anfahrtszeiten rechnen (in großen Städten sind Arbeitswege von 2 Stunden, einfach, keine Ausnahme).

Generell ist es sinnvoll, sich mit KommilitonInnen/Bekannten auszutauschen, die bereits einen Aufenthalt in Brasilien absolviert haben – diese können häufig auch bei der Suche nach einer geeigneten Unterkunft weiterhelfen. Konkrete Fragen zu Themen mit Brasilienbezug kann das Generalkonsulat in München beantworten (Herr Lorenz Wagner, E-Mail csf.munique (at) itamaraty.gov.br, Tel. 089/210376-39).

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